Presse

Interview mit Jennifer Six, Herausgeberin des Literaturmagazins [Lautschrift]

Frau Six, Sie haben Internationale Literaturen und Anglistik bzw. Amerikanistik an der Universität Tübingen sowie Film Theory and History an der University of Dublin (Trinity College) studiert.
Warum haben Sie sich gerade für diese Fächer entschieden?

Anfänglich hatte ich mich für ein Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg entschieden, wurde aber nach der Einladung zum Vorstellungsgespräch leider – oder viel mehr zum Glück – abgelehnt. Dann habe ich mich für die Internationalen Literaturen entschieden. Von Anfang an war klar, dass ich als Nebenfach Anglistik und Amerikanistik studieren würde – ich wollte schon immer perfekt Englisch sprechen können und habe auch früher meinen älteren Bruder immer dazu genötigt mir extra Englisch-Vokabeln aufzugeben! Auch die Literatur war nur ein logischer Schritt. Geschichten schreiben hat schon immer zu meinem Leben gehört. In der Schule war ich dann als Chefredakteurin für die Schülerzeitung tätig und später als freie Mitarbeiterin für die Stuttgarter Zeitung. Doch nicht nur Bücher habe ich verschlungen, auch dem Kino konnte ich nicht widerstehen. Bis heute lässt mich die Welt des Films nicht los und meine DVD-Sammlung hat auch schon einen beträchtlichen (manche sagen auch, bedenklichen) Umfang erreicht. Also vereinte ich beide Wünsche und setzte nach dem Bachelor of Arts noch einen Master in Filmtheorie drauf.

Ist Ihr Studium so verlaufen, wie Sie es sich anfangs vorgestellt haben? Gab es Enttäuschungen oder Überraschungen?

Wenn ich zurückblicke, dann ist mein Studium sogar besser gelaufen, als ich es mir anfangs vorgestellt habe. Von der vergleichenden Perspektive im Literaturstudium, die die kulturellen, geschichtlichen, sozialpolitischen und philosophischen Aspekte auf einer internationalen Ebene behandelte, bin ich immer noch restlos begeistert. So viele Aha-Effekte wie es dort gab! Gleichzeitig konnte man sich ungezwungen von allem inspirieren lassen und seinen Horizont beständig erweitern. Egal ob im literarischen Sinne oder in einer philosophischen Diskussion. Das Filmstudium war leider etwas kurz, aber in Irland dauern die meisten Master-Studiengänge eben nur ein Jahr. Dafür wurden hier auch ein paar Brücken zur Praxis gebaut. Andererseits war ich manchmal überrascht, wie viel ich durch Literaturtheorien im Filmbereich mitreden konnte.

Seit Juni 2010 geben Sie zusammen mit Cindy Ruch das Literaturmagazin [Lautschrift] heraus. Worum handelt es sich dabei genau und wie entstand die Idee?

Das Literaturmagazin [Lautschrift] ist eine kreative Plattform für Studierende in Baden-Württemberg und Bayern. Wir möchten den noch unentdeckten Talenten an den Universitäten die Möglichkeit geben ihre deutschen oder englischen Texte – von Prosa, Lyrik über Essays und Theaterstücke ist alles vertreten – einem größeren Publikum vorzustellen, in einem quadratischen Printmagazin. Zusätzlich haben wir studentische Fotos oder Zeichnungen in schwarz-weiß im Magazin. Da die Einsendungen von tollen Autoren wie Nina Jäckle, Benedict Wells oder ganz aktuell, Mariana Leky, ausgewählt werden, bekommen die Texte auch einen Qualitätsstempel. Wir freuen uns auch immer wieder über die hohe Anzahl an Einsendungen. Und dabei kommen diese nicht einmal immer auf den Geisteswissenschaften! Offensichtlich fehlte bislang eine vergleichbare Plattform und es ist natürlich schön, dass wir die jungen Talente präsentieren und damit auch ein Stück weit fördern können.
Die Idee entstand eigentlich im Ausland. Cindy Ruch war in Australien und ich in Irland als es uns packte: warum gab es keine Literaturmagazine für Studenten in Deutschland? Diese Lücke wollten wir unbedingt füllen, schließlich schreiben wir selber und fanden es schon immer schwer, eine geeignete Möglichkeit für die ersten Veröffentlichungsschritte zu finden. Viele Literaturmagazine geben unbekannten Autoren erst gar keine Chance. Ich glaube, die Liebe zum Geschichtenerzählen und der Gedanke der Talentförderung trieb uns an, ließ die Idee immer größer werden – zu Beginn wollten wir nur auf Postkarten gedruckte Texte verteilen – und schließlich elf Monate nach der ersten [Lautschrift]-E-Mail zwischen Australien und Irland in der Erstausgabe münden. Die zweite Ausgabe zum Thema „Aufbruch“ erschien ein Jahr später im April 2012. Im April 2013 kommt die dritte Ausgabe raus, dieses Mal mit dem Thema „Fremd“.

Welche Reaktionen gab es bisher auf [Lautschrift]?

Wir waren anfangs sehr nervös, hatten wir doch mit einem Printmagazin auf dem deutschen Magazinmarkt gleich zwei Problemstellen bewusst eingebaut. Erstens geht der derzeitige Trend eindeutig in Richtung Online-Magazin und zweitens ist der deutsche Magazinmarkt bereits so mit Magazinen überfüllt, dass man schon ein bisschen verrückt sein muss, ein solches Projekt zu starten. Wir hatten aber auch ein wenig Glück oder den richtigen Riecher: denn für unsere studentische Kunst konnten wir eine Nische finden und die frischgedruckten, echten Magazinseiten begeisterten die Käufer auf Anhieb! Literatur, finden wir, sollte auf Papier gedruckt werden – dadurch gehen die Texte weniger verloren oder werden zumindest weniger schnell vergessen als ein Klick auf einer Webseite. Und dieser Meinung waren auch alle, die am [Lautschrift]-Stand des Tübinger Bücherfest im April 2011 die Erstausgabe in den Händen hielten. Außerdem gab es durchweg positive Reaktionen der Presse und natürlich auch der Studenten bzw. der Universitäten. Viele unserer Ansprechpartner (Dozenten) an den Unis gaben uns Empfehlungsschreiben, um bei Finanzierungswettbewerben die Notwendigkeit einer solchen Plattform noch eindrücklicher zu unterstreichen. Und was da so manch ein Dozent geschrieben hat, ließ unsere Nervosität verschwinden. Vor allem aber freuten wir uns über eine positive Rezension in der FAZ. [Lautschrift] „feiert ungewöhnliche Denker“ war dort unter anderem zu lesen.
Wir haben tolle Unterstützer, die offensichtlich genauso hinter der Idee stehen wie wir: Erwin Krottenthaler vom Literaturhaus Stuttgart beispielsweise hat uns von Anfang an unterstützt und Tipps gegeben. Ohne ihn und ohne die Hilfe von Familie und Freunden wäre [Lautschrift] sicherlich nicht entstanden – zumal wir die Erstausgabe komplett aus eigener Tasche finanziert hatten.

Auf Ihrer Webseite steht: „[Lautschrift] bündelt die Sprache und Kunst von Baden-Württembergs und Bayerns Universitäten“. Haben Sie Pläne in Zukunft auch Universitäten anderer Bundesländer miteinzubeziehen?

Pläne dazu existieren, es wäre natürlich wunderbar in Zukunft noch mehr Studierenden die Möglichkeit zur Veröffentlichung zu geben. Und ich bin mir sicher, dass es auch außerhalb Süddeutschlands einige Talente gibt, deren kreativen Werke leider viel zu oft in der heimischen Schublade oder in irgendwelchen Ordnern auf dem Laptop verschwinden. Leider können wir zurzeit nicht wirklich sagen, ob und wann diese Pläne verwirklicht werden können – es ist bereits sehr aufwändig alle Universitäten in zwei Bundesländern unter einen Hut zu bekommen. Und obwohl Cindy Ruch und ich noch Unterstützung von drei Stellvertretern in Heidelberg, Augsburg und Karlsruhe haben, sind fünf ehrenamtlich arbeitende Personen eben doch zu wenig, um einen größeren Arbeits- und Zeitaufwand zu stemmen. Wir versuchen aber natürlich jede Möglichkeit auszuloten!

Welche Möglichkeiten haben Studierende bei [Lautschrift] mitzumachen?

Lesen und Schreiben! Die Studierende können sich in den Texten und Künsten ihrer Kommilitonen verlieren, durch die ersten zwei Lautschrift-Ausgaben blättern, sich inspirieren lassen. Denn natürlich werden wir auch wieder Einsendungen für die vierte Ausgabe suchen.

Sobald der neue Einsendeschluss bekannt ist, können die Studierenden uns ihre Texte und Fotografien oder Zeichnungen per E-Mail an einsendungen@lautschriftmagazin.de zukommen lassen. Auf unserer Webseite befinden sich zudem noch Informationen zu den Teilnahmebedingungen und auch ein Formular, durch das man sein Werk direkt an uns schicken kann. Wer auf dem Laufenden sein will, sollte entweder unseren Newsletter abonnieren (auch auf unserer Webseite möglich oder eben per E-Mail mit Betreff: Newsletter abonnieren an info@lautschriftmagazin.de) oder aber auf Facebook unsere Seite liken und verfolgen.

Die andere Art des Mitmachens besteht in einer organisatorischen und redaktionellen Mitarbeit. Wir sind laufend auf der Suche nach motivierten Stellvertretern, die für uns vor Ort in einer der vielen Unistädten Kontakt zu unseren Uni-Ansprechpartnern hält, Buchhandlungen betreut und eben auch bei der Erstellung des Magazins hilft. Wer Lust darauf hat, einfach eine kurze Vorstellung an jobs@lautschriftmagazin.de.

Wie wird es nach der Uni für Sie weiter gehen bzw. wird das Literaturmagazin [Lautschrift] einen anderen Stellenwert bei Ihnen einnehmen?

Bis ich eine Stelle als Trainee in einer Filmproduktionsfirma gefunden habe oder anderweitig einen Fuß in der Tür der Filmindustrie habe, arbeite ich als Freelancerin. D.h. ich arbeite für diverse Projekte, schreibe Artikel wie z.B. Filmrezensionen für Magazine oder berichte über das kulturelle Geschehen Stuttgarts als freie Mitarbeiterin bei der Stuttgarter Zeitung. [Lautschrift] wird für mich immer einen sehr hohen Stellenwert haben, dafür macht das Ganze einfach viel zu viel Spaß. Ziel ist es, weiterhin mit Herz und Seele die Landschaft der Gegenwartsliteratur mitprägen zu können.

Zu guter Letzt: Wo kann ich Lautschrift kaufen?

Online jederzeit auf http://www.lautschriftmagazin.de/das-magazin/bestellen/ oder einfach per E-Mail an bestellung@lautschriftmagazin.de. Ansonsten sind wir in den meisten Unistädten vertreten, vor allem in Tübingen, Heidelberg und Augsburg gibt es viele Verkaufsorte. Die Liste aller Verkaufsorte gibt es hier: http://www.lautschriftmagazin.de/das-magazin/verkaufsorte

Von Gianna Reich

°° Das Interview bei Geisteswirtschaft findet ihr hier

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