Künstlerportrait / Neues

Portrait: Mira Kessler

[30 Künstler, 5 Fragen, ein Ausschnitt]
Jeden Montag ein Künstlerportrait der aktuellen Ausgabe.
Heute: Fotografin MIRA KESSLER aus [Lautschrift] #2.

[Lautschrift]: Wie bist du zum Fotografieren gekommen?
Mira: Die Notwendigkeit zu fotografieren ist begründet durch eine Art Gedankenmühle, die mich immer in Schach hält. Dass ich dann eine Film- und eine Fotokamera in die Hand genommen habe, hat sich durch meinen enormen Wunsch ergeben, Bilder zu gestalten. Anfangs habe ich diesen Weg im Schreiben gesucht, also in Wortbildern. Dass sie oft schon szenisch waren, hat den Weg zum „Lichtbilden“ angedeutet. Es ist eine Art, wie ich etwas empfinde oder wie ich etwas erzählen will. Und wie dieser Drang zu mir gekommen ist, weiß ich nicht, der war irgendwie schon immer da. Der Weg war also ein Mitteilungsbedürfnis, ein Getriebensein, das Interesse für Bilder und der Spaß am kreativen Schaffen.

Was inspiriert dich – gibt es einen bestimmten Fotografen, einen Lieblingsort, eine bestimmte Musik?
Natürlich gibt es Fotografen, deren Arbeit ich sehr interessant finde. Und ich liebe Musik. Aber um ehrlich zu sein, brauche ich keines von beiden, um inspiriert zu sein. Das Leben ist genug. Und es ist vielmehr so, dass mir ständig unzählige Ideen im Kopf rumschwirren, die ich manchmal auch nicht abschalten kann. Es gibt natürlich Orte, die mich inspirieren, die etwas Besonderes haben, wie ein alter Keller, verlassene Häuser oder ein großer Baum. Aber vor allem sind es die Ideen, die die Orte bestimmen. Ich könnte mich außerdem an jeden Ort stellen, in ein Schwimmbad oder an einen Müllcontainer, und mir würde immer etwas einfallen. Das ist halt dieses Schwirren im Kopf, das ich dann eben zähmen und konzentrieren und vor allem in eine Form bringen muss.

Wo bist du offline und online zu finden?
Unter www.mirakessler.de bin ich online zu finden. Offline treibe ich mich in Kellern, auf Feldern und unter alten knorrigen Bäumen herum, also eigentlich überall dort, wo ich auf zwei Beinen stehen kann, auch wenn sich das vielleicht noch ändern wird.

Wie würdest du deine eigene Fotografie beschreiben?
Das spannendste für mich und das eigenste für die Fotografie, wie ich sie als Kunstform verstehe, ist neben dem eigenen Blickwinkel und der handwerklichen Arbeit, die Schaffung einer Szenerie. Ich weiß nicht, ob es diese Bezeichnung schon gibt, aber  ich würde meine Arbeiten als „inszenierte Fotografie“ bezeichnen. Und wenn ich mir meine Bilder heute so anschaue, scheint mich bisher vor allem das Thema der Entfremdung zu faszinieren.

Was kann die Fotografie was Texte nicht können?
Das ist eine schwere Frage, weil eben auch Texte Bilder und Stimmungen in uns hervorrufen. Ich glaube, es ist das inversive Element der Bilder, das uns Menschen, und das wohl schon immer, fasziniert hat. Ich denke, wir nehmen einen Großteil unserer Umwelt durch die Augen wahr und damit können Fotografien einen sehr starken Eindruck hinterlassen. Und vor allem sind sie Schlüsselbilder, die zum Rätseln oder zum Fühlen anregen, also vor allem zum Empfinden. Vielleicht ist etwas an der Redewendung dran „En Bild sagt mehr als tausend Worte“, es ist halt ein anderer Weg. Wenn wir einen toten Soldaten auf einer Fotografie sehen, wird uns das sofort beeindrucken, einen Text müssten wir uns Wort für Wort erlesen. Wobei ich nicht ausschließen will, dass es nicht solche Bilder gibt, die man sich erarbeiten muss. Es bleibt also eine schwere Frage, weil es vielmehr ein Gefühl ist, was ich versuche zu beschreiben.

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