Presse

Tagblatt-Anzeiger: Handgreifliche Literatur

[Lautschrift] ist ein studentisches Netzwerk auf Papier

Zurück zum Papier, das ist die Devise beim literarischen Magazin [Lautschrift]. Herausgeberinnen sind die beiden Tübinger Germanistikstudentinnen Cindy Ruch und Jennifer Six.

Tübingen. „Wir wollten, dass schreibende Studenten eine Plattform bekommen“, erklärt Jennifer Six als Grund, warum sie vor einem Jahr mit ihrem Projekt startete. Prosa, Gedichte, Essays und Theaterstücke, aber auch Fotografien und Zeichnungen können eingereicht werden. Honorare gibt es nicht. „Da geht es um die literarische Ehre“, betont die 25-Jährige.
Zweisprachig, in Deutsch und Englisch, ist jede Ausgabe, die zwei Mal im Jahr mit einer Auflage von 1000 Exemplaren erscheint. Wobei das erste Heft neben ein paar Spendern alleinig von Ruch und Six finanziert wurde. „Nach der ersten Auflage waren unsere Konten leer“, erzählt Six. Denn das Magazin sollte etwas Besonderes sein. So legen die beiden Wert auf ein ausgefallenes Titelbild, basteln lange am Layout und der Illustration. Gedruckt wird auf Hochglanz-Papier. Vier Euro kostet ein Heft.

Dabei hatte Six anfangs anderes im Hinterkopf. „Ich schreibe gern und wollte meine Texte erst auf Postkarten verteilen.“ Doch dann verschickte sie Mails mit ihren Werken und bekam ebensolche mit neuen Texten zurück. Der literarische Austausch wuchs und wuchs.

Also beschloss sie mit Freundin Cindy, ein Netzwerk für die schreibende, studentische Zunft zu schaffen. Mittlerweile arbeiten die Germanistinnen mit vielen Universitäten aus Süddeutschland zusammen, unter anderem mit Augsburg, Würzburg, Heidelberg und Ulm. „So kann ein Student aus Heidelberg lesen, was ein Student aus Würzburg geschrieben hat“, freut sich Six.

Rund 300 Zusendungen bekommen die Herausgeberinnen. Fotografien und Zeichnungen sucht das Gespann selbst aus. „Das macht richtig Spaß“, findet Six. Für die Texte gibt es pro Ausgabe eine neue, dreiköpfige Jury. Etwa 70 Texte wählten diesmal Benedict Wells, einer der jüngsten Autoren beim Diogenes-Verlag, und die junge, in Berlin lebende Autorin Franziska Gerstenberger aus. Für die englischen Texte war Alex Bowler, Lektor beim britischen Verlag Jonathan Cape, zuständig. „Die ausgewählten Autoren freuten sich riesig, dass sie jetzt einem Publikum ihre Werke vorstellen können“, so Six. Thema der neuen, im April erschienen Ausgabe ist „Aufbruch“.

Mittlerweile fanden Six und Ruch neue Wege zur Finanzierung. So nutzen sie die Internet-Plattform „Crowdfunding“. Allerdings sei die Anmeldung sehr aufwändig. Doch der Aufwand habe sich gelohnt. Denn dort können Kulturschaffende für ihre Projekte um Spenden bitten. Der Haken an der Sache: „Reichen diese Gelder nicht aus, um unsere Zeitschrift zu finanzieren, müssen wir die Spenden zurückzahlen.“ Daneben setzen die Frauen auf ihren eigenen Internetauftritt. Dort aufgelistet sind etwa die Konditionen, um sich zu beteiligen und die Buchhandlungen, in denen [Lautschrift] ausliegt.

Bewusst haben sich die Germanistinnen fürs Papier entschieden. „Wir wollten Literatur, die man in die Hand nehmen kann“, betont Six. Außerdem haben die beiden gewisse Vorbehalte gegen das Internet. „Dort vergisst man Texte viel schneller oder man findet beim erneuten Suchen die Seite nicht wieder“, meint Six. Selbst wenn sie es sich nicht leisten kann, das Projekt zum Hauptberuf zu wählen, bleibt die Germanistin dabei. Denn: „Man muss auch Dinge machen, bei denen es nicht ums Geld geht.“

Birgit Vey

°° Der Artikel beim Tagblatt-Anzeiger hier

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