Presse

Mannheimer Morgen: Neue Orte für Worte

Literatur: Ein Magazin nicht nur für Studierende – “Lautschrift”

Die Wörter “luftdrescher” und “phrasenballon” füllen jeweils eine ganze Zeile in dem kurzen Gedicht, das sodann die Aufforderung “steh auf” formuliert. “Seminar” ist es betitelt und lässt auch von daher leicht den kritisch, ein wenig ironisch reflektierten Erfahrungshintergrund der Universität vermuten. In der Zeitschrift “Lautschrift” bildet der Text des Heidelbergers Ben Wolf von daher keine Ausnahme, denn das jetzt erstmals erschienene Literaturmagazin richtet sich an Studierende, um deren Kreativität zu wecken. Also findet sich auch die Erfahrung des einsam am Schreibtisch Arbeitenden hier (“Mein Zimmer”). Zuweilen spielt das offenbare universitäre Leben aber nur eine Nebenrolle oder verbirgt sich eher im Hintergrund, wie in der auch nicht sehr heiteren Geschichte “Warum so traurig”, die von einer Reisenden erzählt, die die WG eines Geliebten besucht.

 

Wahlweise auf Deutsch oder Englisch können die Beiträge verfasst sein, in Lyrik, Prosa oder auch essayistisch – und nebenbei gibt es Fotos und Zeichnungen, die ebenfalls dem Anspruch genügen, Experimentelles und Verdichtetes zu bieten, wie es das Editorial formuliert. Hier findet sich versammelt, was im zumal heute gerafften und leistungsorientierten Studium kaum noch Raum hat. Wenn man dem Magazin bescheinigt, eine geistige Lücke zu füllen, ist dies schon deshalb berechtigt. Anregend wirken die Texte durchaus.

“An Grenzen wagen”

Zwei Juroren, die Schriftsteller Nina Jäckle und Georg M. Oswald, achteten darauf, dass die Auswahl gewissen Ansprüchen genügt. “Experimentieren, sich sprachlich und bildhaft an Grenzen wagen” sollen junge Autoren, wie die Herausgeberinnen Cindy Ruch und Jennifer Six schreiben. Hier haben sie einen neuen Ort dafür, der (zunächst) Schreibtalenten der Universitäten in Baden-Württemberg vorbehalten bleibt – aber auch neugierigen Lesern überhaupt offen steht (“Lautschrift” kostet vier Euro und soll zweimal im Jahr erscheinen, ISSN 2192-3582).

von Thomas Gross

| Der Artikel im Mannheimer Morgen hier

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