Presse

Schwäbisches Tagblatt: Zeitschrift für studentische Kunst und Text

Die neue Zeitschrift „Lautschrift“ präsentiert „Uni-Text und Uni-Kunst“. Wer dahinter steckt und was die Herausgeberinnen wollen – wir geben einen ersten Einblick.

Tübingen. Beide waren ein Jahr im Ausland. Cindy Ruch in Brisbane, Australien. Jennifer Six in Dublin, Irland. Und da fiel ihnen etwas auf: In Brisbane und Dublin gibt es universitäre Literaturzeitschriften, also Zeitschriften, in denen Studenten selbst schreiben. So was kannten sie aus Deutschland nicht, aus Tübingen, wo beide Literaturwissenschaft und Anglistik studieren. Also sagten sie sich: „Wenn wir wieder da sind, machen wir so was.“

In neunzehn von zwanzig Fällen wird so was dann nicht gemacht. Weil man immer lieber redet als macht. Weil so viel dagegen spricht. Die Finanzierung. Die Arbeit. Die fehlende Erfahrung. Cindy Ruch und Jennifer Six gehören aber nicht zu den neunzehn Fällen, sie sind der eine, der Ausnahmefall. Die Erfahrung macht man eben, dann fehlt sie nicht mehr, meinen die beiden. Zur Arbeit sagen sie: „Das Studium kam in der letzten Zeit etwas zu kurz, ja.“ Zur Finanzierung erzählen sie von Anfragen bei Stiftungen und Sponsoren, bei denen sie’s probiert haben oder noch dran sind, nein, das sei bisher noch nicht so erfolgreich. Und so haben sie einfach selbst viel Geld reingesteckt, die Eltern haben sie unterstützt.

An kompetenten Unterstützern und Ratgebern wiederum mangelte es nicht: Renate Breuninger vom Humboldt-Studienzentrum, Erwin Krottenthaler vom Literaturhaus Stuttgart boten sich an. Auch an jeder Uni in Baden-Württemberg haben Ruch und Six Ansprechpartner gewonnen, überall half man ihnen, ihr Vorhaben bei den Studierenden publik zu machen. In Tübingen ist Jürgen Wertheimer der spiritus rectus. In jeder Unistadt im Ländle haben sie Buchhandlungen ausgeguckt, in denen die Zeitschrift vertrieben werden sollte. „Wir sind ganz gut organisiert“, sagen sie.

Während der Arbeit an der ersten Nummer erschien dann in Tübingen die Literaturzeitschrift „Trashpool“ aus dem Umkreis des Studio Literatur &Theater. Wurden sie da blass? „Nein. Ja, vielleicht ganz kurz“, räumt Jennifer Six ein, „aber wir sind vom Konzept her ja ganz anders“. Und das ist das Konzept: Pro Semester soll Lautschrift , so heißt die Zeitschrift, einmal erscheinen. Beiträge einsenden kann jeder, der in Baden-Württemberg studiert. Bei der nächsten Nummer soll auf Bayern ausgeweitet werden. Geschrieben wird auf Deutsch oder Englisch, auch da könnten sie sich vorstellen, noch internationaler zu werden. Eingesendet werden können Prosatexte, Essays, Lyrik, Fotografie, Zeichnungen, was sich nun auch alles in der ersten Ausgabe findet. „Wir hätten auch so gern ein kleines Dramolett dabei gehabt, aber die Jury hat anders entschieden.“

Wir finden es schön, zu blättern

Genau: Pro Nummer gibt es eine andere Jury, diesmal waren es Georg M. Oswald, der erst gerade Tübinger Poetikdozent war – und die Schriftstellerin Nina Jäckle. So gesehen gehört auch das Interview zum Formenreichtum der Zeitschrift, denn die beiden Herausgeberinnen befragen dort ihre Jury, außerdem die Dubliner Künstlerin Sarah Quigley, die ihnen das Layout besorgt hat.

Aus 186 Einsendungen haben Oswald und Jäckle an die zwanzig Beiträge von zehn Autoren ausgesucht. Die anderen 176 erhielten ein Absageschreiben, das sie ermunterte, es beim nächsten Mal wieder zu versuchen. Ein bisschen zu brav und geheimnislos waren ihnen viele der eingesandten Texte, sagen Oswald und Jäckle im Interview – das können sich die Bewerber ja für die nächste Ausgabe merken. Nach der themenlosen Erstnummer lautet das Thema dann: „Aufbruch“.

„Lautschrift“ hat zwar auch eine Netzadresse, aber die abgedruckten Texte finden sich nur in der Printausgabe: „Wir finden es schön, zu blättern, etwas in der Hand zu halten.“ Und so haben sie sich gegen eine trendige Online-Zeitschrift entschieden. 1000 Stück, das ist die Auflage, 4 Euro kostet ein Heft, fast nachgeworfen, aber „es soll für Studenten erschwinglich sein“.

Das Kind – es waren aber elf Monate

Und in welchen Schreibseminaren lesen und schreiben sie selbst? „Wir beide sind unser eigener kleiner Literaturzirkel.“ Gerade haben sie die Tagebücher von Anaïs Nin entdeckt, „aber nur die Tagebücher, vom Rest sind wir eher enttäuscht“. Jennifer Six will nochmal ins Ausland und später beruflich beim Film Fuß fassen. Cindy Ruch liebäugelt mit dem Journalismus. Aber wer weiß. Jetzt ist erst mal die „Lautschrift“ da, „jeder sagt ‚das Kind‘, es waren aber elf Monate“, sagen sie. 23 Jahre alt sind sie, haben seit der Präsentation der „Lautschrift“ auf dem Bücherfest schon viel Anerkennung bekommen, von Autoren, Studenten, Medien. Wir schließen uns an und verschieben die Frage, worüber die Studenten schreiben und wie der Rezensent das findet – auf die nächste Nummer.

Info: www.lautschriftmagazin.de. Die erste Print-Nummer bekommt man in Tübingen in den Buchhandlungen Quichotte und Rosalux. Einsendeschluss für die zweite Nummer (Aufbruch) ist der 15. November: einsendungen@lautschriftmagazin.de

von Peter Ertle

| Der Artikel im Schwäbischen Tagblatt hier

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